Expedition Theoderich

Seit langem wollte ich einige Orte besuchen, über die ich immer wieder gelesen habe. In Seminaren benutze ich z.B. öfter Bilder der Wandmalereien wie die berühmten Fresken auf Burg Runkelstein bei Bozen. Jetzt bot eine Italienreise die Gelegenheit, einige der Stationen abzufahren. Dieser Post ist nun einmal nicht nur wissenschaftlich orientiert, sondern dokumentiert eine Art private Studienreise. Mal ganz ohne Fußnoten nur aus dem ‚gedechtnus‘. Da ich viel zu Dietrich von Bern geforscht habe, stand er im Mittelpunkt der Reise. Aber auch den einen oder anderen Riesen oder eine spätmittelalterliche Kuriostitätensammlung habe ich nicht links liegen lassen.

Hofkirche (Innsbruck)

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Hofkirche rechte Seite

Das Grabmal Maximilians I. wurde über mehrere Generationen hinweg errichtet. Beeindruckend ist nicht nur der Kenotaph mit geschnitzten Szenen aus seinem Leben, sondern das gesamte Arrangement, gestaltet von den besten Künstlern, die die Zeit zu bieten hatte, wie beispielsweise Dürer. Um das Grab herum stehen 28 überlebensgroße Bronzefiguren:  Die dargestellten Persönlichkeiten symbolisieren u.a. Familienmitglieder, fiktive und echte Vorfahren. Unter ihnen stehen dort auch König Artus und Theoderich, König der Goten (aka Dietrich).

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Dietrich von Bern

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Inschrift am Sockel

Schloss Ambras (Innsbruck)

Wir hielten uns eine Weile in der Nähe von Innsbruck auf, wo wir neben der Hofkirche auch Schloss Ambras besichtigten.

Blick auf Innsbruck von Schloss Ambras

Blick auf Innsbruck von Schloss Ambras

Schloss Ambras war mir zuerst bekannt wegen der nach ihm benannten Prachthandschrift (Ambraser Heldenbuch). Dieses liegt aber mittlerweile in Wien, wie viele Dokumente. Vor allem hat mich dort die Wunderkammer interessiert, da ich vor Kurzem „Wonders and the Order of Nature“ von Daston und Park gelesen habe und diese dort eine beträchtliche Rolle spielt. Sie war sozusagen das erste Museum von Kuriositäten, das Erzherzog Ferdinand II. gebrauchte, um seine Gäste zu beeindrucken. Funktioniert auch heute noch.

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Exotische Tiere

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Orientalischer Automat

Unter anderen Kuriositäten befindet sich dort auch das Trinkbuch. Es gab auf Schloss Ambras eine Art Ritual, bei Neuankömmlinge in die sogenannte Bacchusgrotte geführt wurden. Dort stand ein Stuhl, dessen Mechanik das ‚Opfer‘ festhielt, bis er oder sie ein Glas Wein geleert hatte. Daraufhin trug man sich ins Trinkbuch ein.

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Dort hängt auch das Bild des Giovanni Bona aka Bartlmä Bona, ca. 2,40 Größe. Kein fiktiver Riese, wobei es fraglich ist, ob er sich dort aufhielt.

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Die Rüstung des Hofriesen ist in der Waffenkammer zu sehen (mit mir als Größenreferenz).

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Schloss Runkelstein (Bozen)

Schloss Runkelstein beherbergt den größten profanen Freskenzyklus des Mittelalters, deswegen wird es auch die ‚Bilderburg‘ genannt. 1385 erwarben sie die Vintlers, die sie über Jahrzehnte mit Wandmalereien ausstatten ließen. Als bürgerliche Emporkömmlinge wollten sie sich als adelig präsentieren. Der Westpalas ist vor allem mit Szenen höfischer Kultur geschmückt, wohingegen das Sommerhaus einen Streifzug durch die mittelalterliche Literatur bietet. Unter anderem gibt es dort Zyklen von ‚Wigalois‘ (leider ziemlich schlecht erhalten, s. Bild), ‚Garel‘ und ‚Tristan‘. Vor allem die ‚Tristan‘-Terraverde-Malereien sind gut erhalten und einfach schön.

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Wigalois, Außenseite Sommerhaus

Auf Schloss Runkelstein darf man leider nur die Fresken im Außenbereich fotografieren. Auf Anfrage beim freundlichen Personal erhielt ich jedoch haochauflösende Aufnahmen auch vom Innenbereich. Der Band „Schloss Runkelstein – die Bilderburg“ (Athesia, 2000) ist auf deutsch leider nur noch antiquarisch zu erhalten. 2016 soll jedoch ein neuer Band erschienen.

Hier sieht man einen Teil der Triaden im Außenbereich, rechts neben mir die drei Riesinnen Ritzsch, Ruel und Rachin (bekannt aus dem ‚Eckenlied‘).

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Teil der Triaden, Außenseite Sommerhaus

Mausoleum des Theoderich (Ravenna)

Der real-life-Vorlage für die Sagengestalt Dietrich von Bern, Theoderich der Große, König der Ostgoten, gestorben 526 n. Chr., wurde im 6. Jh. dieses Grabmal errichtet. Wie so viele Gräber (übrigens auch das Maximilians) ist es leer.

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Dort steht allerdings eine Porphyr-„Badewanne“, die wohl mal einen Deckel hatte, also eine Art Sarkophag. Ob diese allerdings wirklich Theoderich beherbergte, weiß man nicht.

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Hier fand die Expedition ihren Abschluss. Einige Stationen auf meiner „must-see“-Liste von mediävistisch interessanten Orten sind somit abgearbeitet.

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Über Lena van Beek


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