Archiv der Kategorie: Chanson de geste

Vorstellungen von Muslimen in der abendländischen mittelalterlichen Literatur

Trotz der Faszination, die der Orient auf die Literatur des Mittelalters ausübte, war den Verfassern über seine Bewohner und ihre Religion nur sehr wenig bekannt. „Die christlichen Europäer hatten von der Religion jener Andersgläubigen keine rechte Vorstellung.“ (Müller, S. 31.) Dies gab Anlass zur Spekulation und reizte die abendländische Vorstellungskraft. (Vgl. Southern, 1981. S. 16.) „Nimmt man die volkssprachlichen Erzählwerke des hohen und späten Mittelalters als Zeugnisse für die landläufige Einschätzung der ‚heiden‘ in Adel und Stadtbürgertum, so zeigen diese ein ganz besonderes, von der Realität weit abweichendes Bild des Islam und der Muslime.“ (Müller, 2002. S. 32.)

Dies zeigt sich u. a. daran, dass die Muslime als Anhänger einer polytheistischen Religion galten, „die – wie die heidnischen Völker des alten Testaments – an ‚Abgötter‘ glaubten […]“, (Müller, 2002. S. 32.) welche u.a. als eine Mischung aus verschiedenen antiken Göttern beschrieben wurden. Dieses Bild vom muslimischen Glauben findet sich angefangen beim ‚Rolandslied‘ des Pfaffen Konrad in allen epischen Gedichten des Abendlandes wieder. Diese Werke stimmten darin überein, dass die Sarazenen Götzendiener seien und zählten ein „pittoreskes Gespann“ von mehr als dreißig Göttern. Der Name Mohammed war zwar bekannt, aber mischte sich mit den Vorstellungen der Götzendienerei, die aus Antikenromanen bekannt waren. Im ‚Rolandslied‘ verehren die Heiden beispielsweise drei Götter: Tervagant, Mohammed und Apollo. (Vgl. Southern, 1981 S. 27.)

Schweizerischer Nationalfonds. Bild des Monats Dezember 2008

Dies ist ein Beispiel dafür, wie wenig im mittelalterlichen Europa über die ‚Anderen‘ bekannt war. Insofern ist es nicht weiter verwunderlich, wenn den Heiden, die z.B. im ‚Willehalm‘ Wolframs von Eschenbach im Dienst der Minne stehen, weitgehend ein theologischer Begründungsrahmen fehlt (vgl. Kiening, 1991. S. 169.) und die Religion der Anderen im Unterschied zum Christentum zwangsläufig eine Leerstelle bleiben musste. Die Konstruktion des Unvertrauten erfolgt meist aus dem „vertrauten Eigenen“ (Goerlitz/ Haubrichs, S. 6.) heraus, denn wenn etwas Unbekanntes beschrieben wird, rekurriert man auf Bekanntes. „Unweigerlich formen die Menschen jene Welt, die sie nicht kennen, nach dem Vorbild der Welt, die sie kennen.“ (Southern, 1981. S. 27.)

 

Literatur:

Goerlitz, Uta / Haubrichs, Wolfgang. Einleitung. In: Intergration oder Desintegration? Heiden und Christen im Mittelalter. LiLi 156 (2009). S. 5-11.

Kiening, Christian. Reflexion – Narration. Wege zum ‚Willehalm‘ Wolframs von Eschenbach. Tübingen: Niemeyer, 1991.

Müller, Ulrich. Toleranz zwischen Christen und Muslimen im Mittelalter? Zur Archäologie der Beziehungen zwischen dem christlich-lateinischen Okzident und dem islamischen Orient. In: Studia Niemcoznawcze 23 (2002). S. 25-62.

Southern, Richard William. Das Islambild des Mittelalters. Stuttgart [u.a.]: Kohlhammer, 1981.


Illustrierte Handschriften des ‚Willehalm‘ Wolframs von Eschenbach

Der ‚Willehalm‚ ist neben dem ‚Parzival‚ (ca. 80 Textzeugen) der am besten überlieferte Text der mhd. Erzählliteratur ,1 und auffallend häufig mit kostbaren Buchmalereien verziert.

1Greenfield, John / Miklautsch, Lydia. Der ‚Willehalm‘ Wolframs von Eschenbach. Eine Einführung. Berlin [u.a.]: de Gruyter, 1998. S. 274.

Es gibt vom ‚Willehalm‘ mehr als 70 Textzeugen; davon sind 12 vollständige Handschriften und 65 Fragmente. Oft findet man ihn im Überlieferungsverbund mit Ulrichs von Türlin ‚Arabel‘ („Vorgeschichte“) und Ulrichs von Türheim ‚Rennewart‘ („Weiterführung der Geschichte“). Dieser Überleiferungsnähe nennt sich „Zyklenbildung“; die Geschichte einer anderen Dichters wurde ergänzt bzw. fortgesetzt und bilden dann in der Überlieferund eine Einheit.

Repräsentativ für die ‚Willehalm‘-Handschriften sind die reich ausgestatteten, großformatigen bebilderten Codices, die im Auftrag fürstlicher Mäzene hergestellt worden sind. 1

Als Beispiel sind hier fünf Handschriften angeführt, die man allesamt im Handschriftencensus aufgeführt finden kann, teilweise mit Links zu Digitalisaten.  2

1Vgl. Bumke, Joachim. Wolfram von Eschenbach. In: Die deutsche Literatur der Mittelalters. Verfasserlexikon. Band 10. 2. Auflage. Hg. von Kurt Ruh [u.a.]. Berlin [u.a.]: DeGruyter, 1999. Sp. 1375-1418.

2 http://www.handschriftencensus.de

Wohl das älteste Fragment mit Illustrationen ist das sog. Fragment 17. Es handelt sich um ein paar Pergament-Blätter und -Reste, die etwa im 1. Viertel 13. Jh. (nach 1220) (Hillmann) oder im 3. Viertel 13. Jh. (70er Jahre?) (Schneider) entstanden sein könnten. Interessant ist die Anordnung der Bilder und des Textes: Es ist die einzige Bilderhs. des Epos, deren Bilder wie in Eike von Repgows ‚Sachsenspiegel‚ (Rechtsbuch) angeordnet sind. Beide Seiten vertikal gegliedert: 2/3 der Seite Bildleiste, 1/3 Text, der vertikal fast Satz für Satz illustriert (vgl. Bumke, VL, Sp. 1398).

Die Kasseler Handschrift Ka ist enstanden im Auftrag Heinrichs II. von Hessen. Besonderes Rezeptionsinteresse (laut Kleinschmidt) durch eine genealogische Legitimierung durch den heiligen Vorfahren Willehalm klingt „zumindest an“. Die Handschrift entstand 1334 und “ […] geplant war ein Zyklus von über 461 gerahmten Deckfarbenminiaturen, davon sind 62 fertiggestellt oder begonnen“ (VL) ; die  ‚Arabel‘ ist durchgehend illustriert, Platz für weitere Miniaturen wurde gelassen.

Die Handschrift W ist kostbar bebildert worden im Auftrag König Wenzel I. und wurde wahrscheinlich in der Nähe von Prag geschrieben. Dieser Prachtcodex ist ein wahnsinniger Klopper (fast so groß wie das Ambraser Heldenbuch, dass ich heute noch als Faksimile im Tutorium gezeigt habe) und misst 54 x 36 cm. Entstanden ist er 1387 und enthält 247 Miniaturen, abwechselnd blaue und goldene Initialen mit Verzierungen und Randleisten. Auf dem unteren Bild sehen wir ein Porträt Ulrichs von dem Türlin, der die oft mit dem ‚Willehalm‘ zusammen überlieferte ‚Arabel‘ schuf. Leider habe ich kein komplettes Digitalisat der Handschrift finden können.

Dieses andere Bild sollte ebenfalls einen Eindruck davon vermitteln, wie aufwendig diese Illustrationen waren (Initialen, Blattgold, etc.). Ich glaube, man sieht hier die Hochzeit Rennewarts und Alyzes?

Warum sind die Handschriften des  ‚Willehalm‘ so überdurchschnittlich gut illustriert? Ott und Greenfield stellen Vermutungen an: „es lag wohl an der historischen Thematik von Wolframs Dichtung, dass sie im Rezeptionsprozess […] in die Nähe gereimter Chroniken gerückt ist, die häufiger als erzählende Werke illustriert wurden.“ (Greenfield, S. 275)

Einerseits hängt es mit dem Repräsentationsanspruch der Gönner zusammen. Codices waren Identifikationsobjekte für adeliges Selbstverständnis im Allgemeinen. Da der ‚Willehalm‘ aber zudem eine sehr besondere Gattungsmischung ist, ein „Zwitter aus Staatsroman, Heiligenlegende und Fürstenspiegel“ (Ott, S. 100), sind die Gründe vll. in der Materie zu suchen. Der ‚Willehalm‘ steht u.a. im Cod. 857 im Überlieferungsverbund mit Karlsdichtung und Stoffkreis karolingischer Reichsgeschichte und somit auch in direkter Nachbarschaft zu (heils-)geschichtlicher Wahrheit. Die Ikonographie des Karl-/Roland-/Willehalm-Stoffes (auch als Monumentalkunst war nach außen repräsentativ, da den Texten ein „stoffimmanenter Appellcharakter“ inne war (vgl. Ott).  Der  literarische Stoff der Chanson de geste ist vielleicht mehr als andere „bewusst zur politischen Propaganda“ (Ott) benutzt worden und hatte verstärkte öffentliche Funktion, was auch die Ausstattung mit Prachtillustrationen nahelegen würde.

Es hat mir viel Freude bereitet, endlich einmal wieder etwas „konkretes“ mit Handschriften zu machen. Kann nur empfehlen, sich durch die Digitalisate zu klicken und eigenständig zu erkunden – viel Spaß!

Quellen:

http://www.handschriftencensus.de/

Bumke, Joachim. Wolfram von Eschenbach. In: Die deutsche Literatur der Mittelalters. Verfasserlexikon. Band 10. 2. Auflage. Hg. von Kurt Ruh [u.a.]. Berlin [u.a.]: DeGruyter, 1999. Sp. 1375-1418.

Greenfield, John / Miklautsch, Lydia. Der ‚Willehalm‘ Wolframs von Eschenbach. Eine Einführung. Berlin [u.a.]: de Gruyter, 1998.

Jakobi-Mirwald, Christine. Buchmalerei. Terminologie in der Kunstgeschichte. 3. Aufl. Berlin: Reminer, 2008.

Ott, Norbert H. Pictura docet. Zu Gebrauchssituation, Deutungsangebot und Appellcharakter ikonographischer Zeugnisse mittelalterlicher Literatur am Beispiel der Chanson de geste. In:

Gerhard Hahn, Hedda Ragotzky (Hgg.) Grundlagen des Verstehens mittelalterlicher Literatur. Literarische Texte und ihr historischer Erkenntniswert. Stuttgart: Kröner, 1992 (Kröners Studienbibliothek, Bd. 663). S. 187-212.

Ott-Meimberg, Marianne. Kreuzzugsepos oder Staatsroman? Strukturen adeliger Heilsversicherung im deutschen ‚Rolandslied‘. Zürich [u.a.]: Artemis-Verlag, 1980.

Schneider, Karin. Paläographie und Handschriftenkunde für Germanisten. Eine Einführung. 2. Aufl. Tübingen: Niemeyer, 2009.

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Rolands Tod: Märtyrer par excellence

Das ‚Rolandslied‘ des Pfaffen Konrad (um 1170) ist die geschlossenste mittelhochdeutsche Darstellung der Kreuzzugsideologie im 12. Jahrhundert, dessen historischer Kern die Vernichtung einer Nachhut des Heers Karls des Großen beim Kriegszug gegen das islamische Spanien 778 ist. Roland, der in der Erzählung der Neffe Karls des Großen ist, bleibt durch eine List des Heidenkönigs Marsilie und des Verräters Genelun mit seinen Paladinen in Spanien, nachdem Karl die vermeintlich konvertierten Heiden verlassen hat. Bei Runzeval (Ronceval) wird Rolands gesamtes Heer von den zahlenmäßig weit überlegenen Heiden aufgerieben.

Um die Mentalität der Kreuzzüge zur verstehen, sollte man den Begriff militia dei kennen. Man unterschied zwischen militia dei / militia saecularis: Geistlicher und weltlicher Ritterschaft (vgl. Bumke S. 399ff.). Die geistlichen Ritter kämpfen für Gott und für das Reich Karls. So sind die Kämpfer im ‚Rolandslied‘ auch nicht an weltlichen Gütern interessiert und lassen die Schätze der eroberten Städte liegen.

Das Martyrium, das Sterben für Gott, versprach ewiges Leben.

„Seit nämlich der auferstandene Christus über den Tod triumphiert hat, ist der Tod in dieser Welt der wirkliche Tod, und der physische Tod bedeutet Zugang zum ewigen Leben. Deshalb ist der Christ verpflichtet, sich freudig den Tod zu wünschen, als eine Art Wiedergeburt.“. (Aries, S. 23 s.u.)

Wie genau stirbt Roland? Roland hat Zeit, seinen Tod vorzubereiten. Schwerverwundet sucht Roland die Leichen der anderen Paladine zusammen, klagt um seine toten Gefährten Olivier und Turpin. Er setzt sich unter einem Baum zwischen vier Marmorsteinen. Ein blutverschmierter Heide hat sich unter den Toten versteckt und versucht den todwunden Roland zu schlagen und ihm das Horn Olifant zu stehlen. Roland schlägt ihn mit dem Horn Olifant (→ Elefant → Elfenbeinhorn), das zerbricht. Hier eine Illustration aus dem  Codex Palatinus Germanicus 112, dessen Digitalisat übrigens online vollständig verfügbar ist.

Roland versucht danach, sein unzerstörbares Schwert Durendart zu zerstören, damit es den Heiden nicht in die Hände fällt. Die beiden Utensilien, das Schwert und das Kampfhorn, sind sicher als „Unterpfand des christlichen Sieges“ zu sehen (Bertemes, S.  117). Das Schwert wurde von einem Engel an Karl gegeben; darin befinden sich Reliquien (wahrscheinlich im Griff). Roland bittet Gott um Vergebung für seine Eroberungen im Dienste Karls und des Reiches. Er gibt seinen Auftrag und sein Leben wieder zurück zu Gott und an Karl (vgl. V. 6880ff).

 

   Roulant uiel in crucestal,
er sprach: „herre, nu waistu uil wal
daz dich min herce mainet:
dine tugent hastu an mír erzaiget.
an minem ende,
6900herre, dinen boten ruche mir zesenden!
nu gnade miner armin sele,
daz ir dehain boser gaist níne werre.
ich mane dich umbe minen herren
(gestatige in an dem rechtin,
6905uerdruche sine wider uechten,
daz sine uiante alle geligen,
unt er an in gesige
in dines namin mínne!)
unt umbe di suzen Karlinge,
6910unt ander sine untertane
di beuilhe ich zu dinen gnaden.
alle di in mit truwen mainen,
lebentige oder uerschaiden,
bestatige si in den Abrahames barn!“
6915er leite sich an sinen zesewin arm,
daz houbet er nider naicte,
di hende er uf spraite:
dem alwaltigen herre[n]
dem beualch er sine sele.
6920mit sent Michahele,
sente Gabriele,
sent Raphahele
frout er sich imer mere.

Do Roulant uon der werlt verschît,
6925uon himil wart ain michel liecht.
sa nach der wile
chom ain michel ertpibe,
doner unt himilzaichen
in den zwain richen,
6930ze Karlingen unt ze Yspania.
di winte huben sich da:
zi zeualten di urmaren stalboume,
daz liut ernerte sich chume.
si sahen uil diche
6935di uorchlichen himil bliche,
der liechte sunne derrelasc.
den haiden gebrast:
diu scheph in uersunchen,
in dem wazer si ertruncken.
6940der uil liechte tac
wart uinster sam diu nacht.
di turne zeuielen,
diu scone palas zegiengen.
di sternen offenten sich,
6945daz weter wart mislich:
si wolten alle wane
daz di wile ware
daz diu werlt uerenden solte,
unt got sin gerichte haben wolte.

Zitiert aus der Bibliotheca Augustana

Ein Engel nimmt Rolands rechten Handschuh entgegen. Der Handschuh ist im Mittelalter ein Symbol für einen Auftrag und ein Botenverhältnis: Der Bote bekommt immer den rechten Handschuh des Auftraggebers. Roland wirft sich in Kreuzstellung zu Boden und betet, dreht sich auf die rechte Seite und stirbt. Er kommt in den Himmel und ist bei den Erzengeln Michael, Gabriel und Raphael. Daraufhin geschehen Wunderzeichen: Blitz, Erdbeben, Himmelzeichen, Sonnenfinsternis, Stürme, Unwetter, Paläste und Türme stürzen ein, usw. (vgl. V. 6925f.) Acht Wunderzeichen sind eine christlich-literarische Tradition und treten z. B. beim Tod Jesu ein.

45 Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte eine Finsternis im ganzen Land.

46 Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

47 Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Er ruft nach Elija.

48 Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken.

49 Die anderen aber sagten: Lass doch, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihm hilft.

50 Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus.

51 Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich.

52 Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt.

53 Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen.

54 Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sagten: Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!

Matthäus 27, 45-54

Auch bei Vergil verhält es sich ähnlich, nach Cäsars Tod bricht ein Vulkan aus, es gibt ein Erdbeben etc. Literarische Vorbilder für Rolands Tod sind also die Bibel und antikes Erzählen.  Es tritt kein plötzlicher Tod ein (mors repentina (Aries S. 19)), der im Mittelalter die schlimmste Todesart darstellt, da man nicht die Beichte abgelegt hat etc.,  sondern Roland hat Zeit zur Vorbereitung. Obwohl er stark verwundet ist, kann er seine weltlichen Dinge noch regeln (Trauer um Gefährten, Gebet und Beichte, Zerstörung Olifants und Durendarts, Abgabe des Handschuhs, Haltung: Kreuzstellung am Boden, Drehen auf die rechte Seite…).

Danach wird die Trauer Karls um Roland beschrieben und die Heiden bekommen seine Rache zu spüren. Ein Engel erscheint Karl und teilt ihm mit, dass alle Gefallenen jetzt Söhne des obersten Herren sind, also im Himmel sind, und dass Karl unter seinem Schutz steht, und seine Feinde besiegt werden sollen.

Roland stirbt also mit dem ganzen Pathos der christlichen und der antiken Tradition. Ariès beschreibt den Tod des Märtyrers folgendermaßen:

„Sie sterben durch aus nicht beliebig: der Tod wird von einem durch Brauch und Herkommen geregelten, verbindlich beschriebenen Ritual bestimmt. Der gewöhnliche, normale Tod fällt den Einzelnen nicht aus dem Hinterhalt an, selbst wenn er – etwa im Falle einer Verwundung – als tödlicher Unfall auftritt, […] Der entscheidende Zug ist der, dass er Zeit zur Vorahnung lässt.“ (Ariès S. 14)

Literaturangaben und weitere Lektüreempfehlungn

Das Rolandslied des Pfaffen Konrad. Hg. von Dieter Kartschoke. Stuttgart: Reclam, 1993.

Ariès, Philippe. Geschichte des Todes. München: Hanser, 1980.

Bertemes, Paul. Bild- und Textstruktur. Eine Analyse der Beziehungen von Illustrationszyklus und Text im Rolandslied des Pfaffen Konrad in der Handschrift P. Frankfurt a. M.: Fischer, 1984.

Bumke, Joachim. Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 11. Aufl. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2005.

Brunner, Horst. Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Stuttgart: Reclam, 2010.

Nellmann, Eberhard. Pfaffe Konrad. In: 2VL 5 (1985), Sp. 115-131.


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