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Knights of Science

Rede zur Absolventenfeier der Fachbereiche Sprache, Literatur, Medien I & II an der Universität Hamburg am 03.02.2017 um 16.30 Uhr im ESA 1 (A)

von Lena van Beek und Britta Wittchow

Ein Anlass wie diese Absolventenfeier lädt ein zur Suche nach vergleichbaren Zeremonien. Im Mittelalter gibt es viele Zeremonien, u.a. die sogenannte Schwertleite. Bei diesem festlichen Akt wurde ein junger Adliger zum Ritter erklärt. „Die ritterliche Schwertleite der höfischen Zeit stand in einem historischen Zusammenhang der Wehrhaftmachung,“ [1]  die wahrscheinlich auf germanische Riten zurückgeht.[2]

Durch die Zeremonie wird bekundet, dass ein Mann erwachsen und zu selbstständigem Handeln befähigt ist. Er hat zuvor eine Ausbildung genossen, die sicherstellt, dass der Umgang mit Waffen erprobt und der mit dem Rittertum verbundene Verhaltenskodex verinnerlicht ist. Wo diese Ausbildung fehlt, so zeigen Texte wie der ,Parzival‘ oder ,Wigamur‘, richten begabte junge Männer oft Schaden an. Sie kommen nicht rechtmäßig zu Schwert und Rüstung und hinterlassen ob ihrer ungezügelten und unkanalisierten Stärke eine Schneise der Verwüstung.

Im Mittelpunkt der Schwertleite stand immer die feierliche Umgürtung des Schwerts. Die große Heidelberger Liederhandschrift aus dem frühen 14. Jahrhundert zeigt die feierliche Überreichung eines Schwertgürtels.

Der in der Neuzeit bekanntere „Ritterschlag, bei dem der Knappe mit dem flachen Schwert einen Schlag auf die Schulter oder den Rücken erhält“, [3] ist um 1200 auf deutschem Gebiet allerdings noch nicht bekannt gewesen, und erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts belegt.[4]

Das ‚Nibelungenlied‘, das vielleicht berühmteste deutsche Heldenepos, schildert den Übergang Siegfrieds von Jungen zum Ritter und vollwertigem Mitglied der höfischen Gesellschaft.

Swâ man vant deheinen,     der riter solde sîn

von art der sînen mâge,     diu edel kindelîn

diu ladet‘ man zuo dem Lande     durch die hôhgezît.

mit dem junge künege     swert genâmen si sît.[5]

Man lud jeden jungen Edelmann, den man ausfindig machte und der nach Stand seiner Familie Ritter werden sollte, ins Land zum Feste ein, damit er mit dem jungen König gemeinsam das Schwert empfange.

Siegfried soll, nachdem er in Worms eine höfische Erziehung genossen hat, zusammen mit 400 Knappen die Schwertleite feiern. Massenpromotionen waren also damals auch schon üblich. „Von diesem Fest könnte man Wunderbares berichten“, heißt es im Text:  Den jungen Herren werden vortreffliche Gewänder angelegt und sie werden mit Edelsteinen und bunten Bändern herausgeputzt.

vil der edeln steine     die frouwen leiten in daz golt,

Die si mit porten wolden     wurken ûf ir wât

den jungen stolzen recken:     des newas niht rât.[6]

Die Damen faßten viele Edelsteine in Gold, um sie mit Bändern den jungen, stolzen Männern auf der Kleidung zu befestigen: das musste nun einmal so sein.

Dô gie ze einem münster     vil manec rîcher kneht

und vil manec edel riter.     die wîsen heten reht,

daz sie den tumben dienten,     als in was ê getân.

si heten kurzewîle     und ouch vil maneger vreuden wân.[7]

Da ging eine große Zahl reicher Knappen und edler Ritter zum Münster. Es war richtig, dass an diesem Tag die Erfahrenen den Unerfahrenen dienten, wie es ihnen selbst einmal geschehen war. Sie unterhielten sich gut, und die Erwartung auf vielerlei Freuden stieg.

Auch wir, die wîsen bzw. die erfahreneren Ritter der Wissenschaft, dienen Ihnen heute bei dieser Abschlusszeremonie und versuchen Ihnen mit Einblicken in unser Fach ein wenig kurzewîle zu bereiten. Im Münster entsteht großes Gedränge, um die Umgürtung der Schwerter und somit den Symbolakt der Ritterwerdung mitanzusehen. Nachdem die Messe endlich vorbei ist, wird im Stil der höfischen Kultur gefeiert; zum Beispiel mit unterhaltsamen Vorträgen fahrender Lieddichter oder prächtigen Kampfspielen wie dem Buhurt, eine Art Paradeturnier, das vor den Damen ausgeführt wird.

Sie liefen, dâ sie funden     gesatelt manec marc.

in hove Sigemundes     der bûhurt was sô starc,

daz man erdiezen hôrte     palas unde sal.

die hôhgemuoten degene     die heten grœzlîchen scal.[8]

Sie liefen zu den vielen schon gesattelten Pferden.

In Siegmunds Hof wurde ein so starker Buhurt ausgefochten, dass man davon die gesamte Burg erdröhnen hörte.

Die begeisterten Ritter machten beträchtlichen Lärm.

Von wîsen und von tumben     man hôrte manege stôz,

daz der scefte brechen     gein den lüften dôz.

trunzûne sach man vliegen     für den palas dan

von maneges recken hende:     daz wart mit vlîze getân[9].

Die erfahrenen Kämpfer und die Neulinge hörte man zusammenstoßen, so dass das Zersplittern der Lanzenschäfte die Luft mit Getöse erfüllte.

Man sah von der Hand vieler Ritter die zerbrochenen Speere nach der Burg hinfliegen. Dies geschah voller Eifer.

So sieht das in den Handschriftenillustrationen beispielsweise aus.  Quelle ist hier erneut die Heidelberger Liederhandschrift.

Auserlesene Speisen und Getränke werden beim Festmahl danach gereicht.  [k]

vil der edelen spîse     sie von ir müede sciet

unt wîn der aller beste,     des an in viel getruoc.[10]

Auserlesene Speisen und der allerbeste Wein, wovon man ihnen reichlich auftrug, vertrieben die Müdigkeit.

In Analogie versprechen wir: Es gibt nachher noch Sekt!

Die Feierlichkeiten im ‚Nibelungenlied‘ können auch schon mal je nach Anlass sieben bis 30 Tage lang dauern. Wir beschränken uns lieber auf einen Abend.

Nun leben wir ja nicht mehr im Mittelalter, sondern betrachten es höchstens interessiert und in unserem Fall wissenschaftlich. Offizielle Initiationsrituale finden nur noch selten statt und haben auch dezidiert weniger martialischen Charakter.

Die Universität Hamburg gürtet Ihnen heute kein Schwert um, sondern überreicht Ihnen eine Urkunde, um Ihre intellektuelle Wehrhaftigkeit als Geisteswissenschaftlerinnen symbolisch zu markieren. Doch machen Sie sich bewusst, dass ihre Instrumente nicht weniger wirkmächtig sind und nicht weniger zu verantwortungsvollem Umgang verpflichten.„Die Feder ist mächtiger als das Schwert“, schrieb Edward Bulwer-Lytton im 19. Jahrhundert.

In Zeiten von Populismus und Propaganda sind wissenschaftliche und moralische Integrität dringend erforderlich, sodass wir Sie durch diese Zeremonie auszeichnen und Sie gleichzeitig zur Erhaltung der Institution des Wissens in die Pflicht nehmen. Ihr wissenschaftlicher Werdegang ist zumindest in Teilen abgeschlossen, aber Ihre Aufgabe als „Ritter“ der Wissenschaft nicht.

Sie können schreiben und wissenschaftlich arbeiten.

Sie können methodisch reflektieren und analysieren.

Sie sind zu selbstständigem Handeln befähigt.

Machen Sie was draus.

__

[1] Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. München: dtv, 2005. S. 318.

[2] Vgl. Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. München: dtv, 2005. S. 318.

[3] Siegfried Grosse: Kommentar. In: Das Nibelungenlied. Mhd. / Nhd. Übers. u. kommentiert von Siegfried Grosse. Stuttgart: reclam 2010. S. 729.

[4] Vgl. Siegfried Grosse: Kommentar. In: Das Nibelungenlied. Mhd. / Nhd. Übers. u. kommentiert von Siegfried Grosse. Stuttgart: reclam 2010. S. 729.

[5] Zitiert nach: Das Nibelungenlied. Mhd. / Nhd. Übers. u. kommentiert von Siegfried Grosse. Stuttgart: reclam 2010. Str. 30. Im Folgenden ‚NL‘.

[6] ‚NL‘ Str. 30,4-31,2.

[7] ‚NL‘ Str. 32.

[8] ‚NL‘ Str. 34.

[9] ‚NL‘ Str. 35.

[10] ‚NL‘ Str. 37,2f.

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Erster DoktorandInnentag der Graduiertenschule Geisteswissenschaften

Am 10. Februar 2017 findet die Veranstaltung „Meine Promotion. Orientierung, Finanzierung, Publikation. Erster DoktorandInnentag der Graduiertenschule Geisteswissenschaften“ statt.

Wie finanziere ich mein Forschungsvorhaben, Konferenz- und Recherchereisen? Wie wird aus meiner Doktorarbeit eine Publikation? Was bedeutet das Wissenschaftszeitvertragsgesetz für mein (zukünftiges) Arbeitsleben? Wie bin ich finanziell abgesichert, wenn ich ein Kind bekomme? Und wie schaffe ich es, die Dissertation fertigzustellen?

Diese elementaren Fragen kommen oft neben dem Schreiben der Arbeit zu kurz. Deshalb versammelt der Tag ExpertInnen, die ihr Wissen zu den genannten Themen in Vorträgen und Workshops vermitteln. In der Podiumsdiskussion kommen promovierte Sozial- und GeisteswissenschaftlerInnen zusammen, die nach der Dissertation verschiedene berufliche Wege gegangen sind: in der Wissenschaft, der Wirtschaft, im Wissenschaftsmanagement und Journalismus. Die DiskussionsteilnehmerInnen berichten über ihre persönlichen Erfahrungen vor, während und nach der Promotionszeit.

Der Tag ist von DoktorandInnen für DoktorandInnen geplant und dient der Informatsvermittlung ebenso wie dem gemeinsamen Austausch. Das detaillierte Programm gibt es hier: Programm_Doktorandinnentag

 


Old English Aerobics

Wenn man sich mit Altenglisch beschäftigt und keinen rigorosen Plan á la „Ich lerne jetzt alle Formen auswendig!“ verfolgt, ist die Seite Old English Aerobics ein Segen. Wie soll man z.B. darauf kommen, dass ēodon eine Form von gán ist? Mit dem praktischen Glossar lassen sich auch flektierte Formen suchen, die zum Lemma führen. Es gibt neben vielen nützlichen Materialien auch einen Workout Room, in dem man Übungen machen kann. Sehr empfehlenswert.

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Rahmenvertrag – Realitätsbezug?

Heute sehe ich mich gezwungen, an dieser Stelle einen Rant abzusetzen.

Deswegen.

Die Kurzfassung:

Universitäten deutschlandweit bereiten ihre Studierenden und Dozierenden darauf vor, dass ab ersten Januar keine Texte mehr auf Online-Lernplattformen hochgeladen werden dürfen.

Wenn ich kurz die Situation in einem typischen Seminar schildern darf: Wir benutzen an der Universität Hamburg die Lehrplattform agora. Dort lässt sich für die Seminarteilnehmer passwortgeschützt Material bereitstellen.

Ich gehe jeweils zur Vorbereitung in die Staatsbibliothek, wo die schönen großen Scanner mit der hohen Auflösung stehen, und bereite für die Seminarteilnehmer jeden Aufsatz und jeden Auszug vor, den wir im Laufe des Semesters gemeinsam lesen wollen. Das kostet Zeit — etwa zwei Tage — und geht auf meine eigene Kappe als Dozent (wissenschaftliche Mitarbeiter haben keine Hilfskräfte).

Ich mache mir trotzdem die Mühe. Denn meine Erfahrungen in der Lehre zeigen deutlich: Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass zur entsprechenden Sitzung jeder die relevanten Texte gelesen hat, wenn das Material geschlossen vorliegt. Ob man das als PDF oder ausgedruckt liest, kann man sich aussuchen.

Jetzt stelle man sich vor, die hochgeschätzte Digitalisierung wäre in der Lehre nicht möglich. Es wäre mir verboten, Texte einzuscannen und online zur Verfügung zu stellen, wenn meine Hochschule den mittelalterlichen (ja, das meine ich jetzt ausnahmsweise abwertend) Bedingungen der VG Wort nicht zustimmt.

Was tun?

„Die Studierenden können sich die Bücher ja selber kaufen.“

Nein, können sie nicht. Die mediävistischen Fachpublikationen und Editionen, die ich in meinen Seminaren lesen lasse, kosten in der Regel etwa 100-150 Euro pro Band. Dafür müssen die Autoren dem Verlag je nach Einschlagskraft auch noch tausende von Euros zahlen.

„Die Studierenden können sich die Bücher ja ausleihen.“

Das jahrelang hart erarbeitete Buch kommt dann jeweils einmal als Präsenzexemplar in alle wichtigen Bibliotheken. Darauf haben die Studierenden dann Zugriff. Auf ein Exemplar. Ohne Dauerausleihe.

„Die Studierenden können sich die Bücher ja selber einscannen.“

Oh ja, eine hervorragende Idee. Die ohnehin schon genügend gestressten Bachelorstudierenden dürfen meine unbezahlten zwei Tage Vorbereitung selber in der Bibliothek am Scanner verbringen. Wenn sie das Glück haben, auf das einzelne Exemplar zugreifen zu dürfen. Ich kann mir schon lebhaft die Sitzungen vorstellen.

„So, wer hat den Text gelesen?“

„Ja, ich hatte keine Zeit, den zu scannen.“

„Das Buch war nicht in der Bibliothek.“ (Weil 30 andere Leute das natürlich brauchen.)

„Ich hab’s vergessen.“ (Zugegebenermaßen kommt das auch ohne zusätzliche Komplikationen vor.)

You get my point.

Ich finde es ich wichtig, über faire Bezahlung von Inhalten zu diskutieren. Ebenso gehöre ich jedoch im Herzen der Open Access und Creative Commons-Bewegung an.

Das System im Allgemeinen bedarf einer Überarbeitung. Ich kann das aus mediävistisch-germanistischer Perspektive bestätigen – ein Fach, wo Traditionen teilweise noch in Majuskeln geschrieben werden.

Wenn ich daran denke, dass ich für die Publikation meiner Dissertation bei einem renommierten Verlag am besten gestern hätte anfangen müssen zu sparen, wird mir übel. Gerne würde ich mein jahrelang hart erarbeitetes Buch natürlich einfach so über Open Access publizieren, doch das hat eventuell weitreichende Konsequenzen.

Im Moment ist die Situation leider dementsprechend, dass in den Berufungskommissionen immer noch Sätze fallen wie „Ach, das ist ja nur eine Onlinedissertation.“ (Implizit: Das kann ja nichts Vernünftiges sein.) Es wird Wert auf das Renommee der Verlage gelegt.

Also darf ich über 3.000 Euro dafür zahlen, dass mein Buch in einem Fachverlag erscheint, der es dann ca. 200mal druckt und für 150+ Euro verkauft. Und dann steht es als Präsenzexemplar in der Bibliothek, denn nur diese können sich die Anschaffung leisten. Ist es nicht absurd, dass ich viel Geld dafür zahlen soll, dass sich Wissensdurstige mein Buch nicht leisten können?

Und wenn dann mal jemand auf die verrückte Idee kommen sollte, mein Buch in einem Seminar auszugsweise lesen zu lassen, darf er oder sie das noch nicht mal den Studierenden zur Verfügung stellen.

Dieser Rahmenvertrag mit der VG Wort verhindert den freien Wissensaustausch an den Hochschulen und somit die Wissenschaft. Das Verlagswesen, so wie es sich in dieser Umbruchsphase gestaltet, muss sich grundlegend verändern, da es sonst in Konkurrenz gegen „umsonst, da, und bei Google gut verschlagwortet“ keine Chance hat.

Die Filmindustrie beispielsweise hat ähnliche Probleme und das zumindest teilweise erkannt und reagiert. Vielleicht brauchen wir eine Art Netflix für wissenschaftliche Publikationen.

Diese unqualifizierten Überlegungen kommen jetzt aber zu einem Ende. Ich habe keine Ahnung von Urheberrecht, ich weiß nur, dass es kompliziert wird. Als User, Leser und Dozent regen mich solch realitätsfernen Regelungsversuche einfach nur auf.

Vor allem, wenn sie dazu führen, dass meine Studierenden weniger lesen.

Nachtrag: Aufgrund dieses Artikels hat mich der Deutschlandfunk gebeten, an einer Diskussionsrunde zum Thema teilzunehmen. Die einstündige Diskussion „Digital war gestern – Neuer Vertrag für die Nutzung von Internetquellen an Hochschulen“ kann man hier nachhören.


Grammatischer Wechsel mit Youtube

Ich musste kürzlich eine Seminarsitzung absagen und habe entschlossen, den Vortragsteil zu schwachen Verben als Video aufnehmen, damit die vertretenden Tutoren nicht so viel Arbeit haben. Im Zuge dessen bin ich darauf aufmerksam gemacht geworden, dass es bei Youtube ein lustiges interaktives Video zum grammatischen Wechsel gibt. Es wurde im Rahmen des MOOC- Wettbewerbs von Falk Erdmann und Jonathan Österle erstellt und vermittelt unterhaltsam und interaktiv Details zum allseits beliebten grammatischen Phänomen (hust).


Motiv-Index für mittelhochdeutsche Literatur

„Motif-index of German secular narratives from the beginning to 1400“ – sieben Bände und eine CD mit Suchfunktion!

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Ich hätte gerne schon früher als Student gewusst, dass es diesen Index gibt. Es ist gut, dass etwas wie  Aarne-Thompson auch seit einigen Jahren für weltliche mittelhochdeutsche Literatur existiert.

This index is not such a counter-model either, but it tries to cope with the difficulties of Thompson’s index in order to make it useful as a tool for the analysis of medieval narrative by presenting the narrative elements in their context. Not a mere list of elements is presented, not an ‚Atomisierung der Elemente‘ takes place: we fragment the narrative in order to analyze and classify its elements, but their context is never lost. (Introduction, Karen Lichtblau)

Motif-index of German secular narratives from the beginning to 1400
Hg. v. Helmut Birkhan. Berlin [u.a.] : de Gruyter, 2005-2010.


limit – Mittelhochdeutsch online lernen

Limit ist ein Projekt der Ruhr-Universität Bochum in Zusammenarbeit mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Es handelt sich hierbei und einen Online-Kurs für Einsteiger in die Mediävistik, der vor allem Folgendes leisten soll (daher der Name):

Leseförderung
Information
Methodenbewusstsein und Sicherheit in der Auseinandersetzung mit älterem Deutsch
Interessensbildung (hörend, lesend, reflektierend)
Transparenz komplexer Prozesse des Textverstehens.

Die Übungen können als selbständige Lernhilfe dienen oder im Zuge eines einführenden Seminars verwendet werden (blended learning). Dabei wird ein multimedialer Ansatz verfolgt. Dem didaktischen Zugriff von Wergera, Schultz-Baluff und Bartsch (‚Mittelhochdeutsch als fremde Sprache‘) sehen sich die Entwickler am ehesten verwandt. Grammatik wird auf einer ’need to know‘-Basis ergänzt, im Vordergrund steht der Zugang zum Text und die Übersetzungskompetenz.

limit scr

Screenshot aus limit

Zum Selbststudium oder zur Ergänzung in Seminaren sicherlich eine wertvolle Ressource. Man kann die Datei als .exe herunterladen.  Es wird empfohlen, den Mediaevum-Font zu installieren.


Mediävistische Sonderzeichen als Font

Da ich gerade ein System neu aufsetze, fiel mir auf, dass diesen Font von Mediaevum.de vielleicht noch nicht jeder kennt oder installiert hat. Es erleichtert die Arbeit ungemein, wenn man einen Text mit mittelhochdeutschen Zitaten schreibt und nicht jedes Sonderzeichen per copy/paste einfügen muss.

Mediaevum.ttf ist lediglich ein pragmatisches Hilfsmittel für den universitären Alltag, nicht mehr und nicht weniger. Der Font entspricht nicht dem Unicode-Standard und ist für professionellen Textsatz nicht oder nur sehr bedingt geeignet. (mediaevum.de)

 


Mittelalter-Stammtisch in Hamburg

Nunc est bibendum.

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Canterbury_Tales.png

Canterbury Tales, Woodcut 1484

Seit kurzem treffen sich Interessierte in Hamburg zu einer Mittelalter-Runde. Im Vordergrund steht natürlich gemeinsames Essen und Trinken und kennenlernen. Wer möchte, stellt formlos ein Projekt oder Forschung vor und/oder hört, was andere im Gebiet so treiben. Gemeinsame Exkursionen sind auch noch geplant…

Termin und Location werden bei den Mediävistinnen unter „About“ einzusehen sein. Wir freuen uns auf neue Gesichter und Ideen!


Nibelungenmuseum Worms

Nibelungenmuseum Worms

Letzte Woche fuhr ich so nah am Worms vorbei, dass sich ein Abstecher lohnte. Dunkel meinte ich mich zu erinnern, dass es dort ein Nibelungenmuseum gebe. Da sowohl meine Kollegin als auch ich einen Teil unserer Prüfung zu den Nibelungen abgelegt haben, war ich neugierig, wie ein Museum über das ‚Nibelungenlied‚ die Umsetzung schaffen würde. Diese ist Auber + Hoge unter der Mitwirkung von Herrn Heinzle und Herrn Lecouteux wohl gelungen.

Zu Anfang der Hörtour durch die Konstruktion aus Stahl und Glas, die sich in die alte stauferzeitliche Stadtmauer fügt, war ich etwas irritiert: So führt einen doch der Autor des ‚Nibelungenliedes‘ höchstpersönlich durch den ersten Turm, den man untermalt von Aussschnitten aus Fritz Langs Filmen erklimmt, durch die Geschichte.

Bildinstallation „Rütelin“ von Ursula Kraft im Hörturm

Doch wird schnell ein Bewusstsein für die Anonymität der Heldenepik und vor allem für die problematische Rezeption des ‚Nibelungenlieds‘ erzeugt. Auch wenn der Hörtext doch notwendigerweise an einigen kontrovers diskutierten Stellen die Forschung nicht in ihrer Breite aufgrund des allgemeinverständlichen Einstiegs darstellen kann, gibt er zumindest gängige Meinungen als solche zu erkennen. Ein paar Mal brachte er mich auch zum Schmunzeln, zum Beispiel, wenn der „Dichter“ von seinem „alten Freund Snorri“ spricht, den er angeblich im Jenseits getroffen habe.

Nach einem chronologischen Spaziergang durch den Wehrgang betritt man den Hörturm, wo einzelne Aventiuren und Aspekte vermittelt werden. Verpixelte Repliken der Handschriften A, B und C begrüßen einen im Foyer – da wären doch sicherlich ein paar Cent für einen vernünftigen Druck im Budget gewesen. Der Hörer kann sich hier auf einem „Thron“ niederlassen und belehrt werden.

Step into my office...

muget ir nu wunder hoeren sagen

Nachdem man ganz oben angekommen ist und einen historischen Ausblick hatte, geht man den Turm wieder hinab, auf den letzten Stationen wird sehr kurz der Sagenkreis um Dietrich von Bern erwähnt; die Hörtour findet ihr Ende in einem Exkurs über die ‚Edda‘. Es gab laut Mitarbeiterin vorher eine „Schatzkammer“, in  der ein virtueller Schatz ausgestellt wurde, die jedoch zu einem „Mythenlabor“ umfunktioniert wurde.

In der Umsetzung ist viel Mühe sichtbar, und wie ich dem Museumsführer („Das Buch des anonymen Dichters“) entnehme, entbrannte vor dem Bau eine große Diskussion, ob man so ein Museum in der Stadt haben wollte. Eine wichtige und reichhaltige Schnittstelle zwischen Allgemeinwissen und Literatur, die auch jüngeren Besuchern einen wertungsfreien Einblick in das Epos erlaubt – wieso sollte man so ein Projekt nicht in der Stadt haben wollen?

http://www.worms.de/extern/nibelungenmuseum/index.php

http://www.nibelungenlied-gesellschaft.de/03_beitrag/eichfelder/fs07_eichf.html

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