Monatsarchiv: August 2012

Nibelungenmuseum Worms

Nibelungenmuseum Worms

Letzte Woche fuhr ich so nah am Worms vorbei, dass sich ein Abstecher lohnte. Dunkel meinte ich mich zu erinnern, dass es dort ein Nibelungenmuseum gebe. Da sowohl meine Kollegin als auch ich einen Teil unserer Prüfung zu den Nibelungen abgelegt haben, war ich neugierig, wie ein Museum über das ‚Nibelungenlied‚ die Umsetzung schaffen würde. Diese ist Auber + Hoge unter der Mitwirkung von Herrn Heinzle und Herrn Lecouteux wohl gelungen.

Zu Anfang der Hörtour durch die Konstruktion aus Stahl und Glas, die sich in die alte stauferzeitliche Stadtmauer fügt, war ich etwas irritiert: So führt einen doch der Autor des ‚Nibelungenliedes‘ höchstpersönlich durch den ersten Turm, den man untermalt von Aussschnitten aus Fritz Langs Filmen erklimmt, durch die Geschichte.

Bildinstallation „Rütelin“ von Ursula Kraft im Hörturm

Doch wird schnell ein Bewusstsein für die Anonymität der Heldenepik und vor allem für die problematische Rezeption des ‚Nibelungenlieds‘ erzeugt. Auch wenn der Hörtext doch notwendigerweise an einigen kontrovers diskutierten Stellen die Forschung nicht in ihrer Breite aufgrund des allgemeinverständlichen Einstiegs darstellen kann, gibt er zumindest gängige Meinungen als solche zu erkennen. Ein paar Mal brachte er mich auch zum Schmunzeln, zum Beispiel, wenn der „Dichter“ von seinem „alten Freund Snorri“ spricht, den er angeblich im Jenseits getroffen habe.

Nach einem chronologischen Spaziergang durch den Wehrgang betritt man den Hörturm, wo einzelne Aventiuren und Aspekte vermittelt werden. Verpixelte Repliken der Handschriften A, B und C begrüßen einen im Foyer – da wären doch sicherlich ein paar Cent für einen vernünftigen Druck im Budget gewesen. Der Hörer kann sich hier auf einem „Thron“ niederlassen und belehrt werden.

Step into my office...

muget ir nu wunder hoeren sagen

Nachdem man ganz oben angekommen ist und einen historischen Ausblick hatte, geht man den Turm wieder hinab, auf den letzten Stationen wird sehr kurz der Sagenkreis um Dietrich von Bern erwähnt; die Hörtour findet ihr Ende in einem Exkurs über die ‚Edda‘. Es gab laut Mitarbeiterin vorher eine „Schatzkammer“, in  der ein virtueller Schatz ausgestellt wurde, die jedoch zu einem „Mythenlabor“ umfunktioniert wurde.

In der Umsetzung ist viel Mühe sichtbar, und wie ich dem Museumsführer („Das Buch des anonymen Dichters“) entnehme, entbrannte vor dem Bau eine große Diskussion, ob man so ein Museum in der Stadt haben wollte. Eine wichtige und reichhaltige Schnittstelle zwischen Allgemeinwissen und Literatur, die auch jüngeren Besuchern einen wertungsfreien Einblick in das Epos erlaubt – wieso sollte man so ein Projekt nicht in der Stadt haben wollen?

http://www.worms.de/extern/nibelungenmuseum/index.php

http://www.nibelungenlied-gesellschaft.de/03_beitrag/eichfelder/fs07_eichf.html

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